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Rede zum Volkstrauertag in Markdorf

Jakob Vahlensieck, 13. November 2016

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Jugendliche!

Heute begehen wir hier in der Aussegnungshalle zusammen den Volkstrauertag. Es sind Leute jeglichen Alters erschienen. Unter ihnen sind auch Jugendliche wie ich, und über diese möchte ich heute sprechen:

Was bedeutet der Volkstrauertag für einen Jugendlichen? Sind die Weltkriege nicht schon viel zu lange vorbei, als dass die junge Generation noch um die Opfer trauern müsste? Interessiert sie sich überhaupt für den heutigen Tag?

Zuerst einmal ist der Volkstrauertag dazu da, der Opfer von Schreckensherrschaften, vor allem in den Weltkriegen, zu gedenken. Nun ist es für einen Jugendlichen in Markdorf natürlich schwer, sich eine Schreckensherrschaft vorzustellen. Genauso schwer können wir uns vorstellen, wie schrecklich es für die Menschen während des ersten oder zweiten Weltkriegs gewesen sein muss und wie viel Leid und Trauer diese Kriege hervorgerufen haben. Trotz alledem, oder gerade deswegen, ist es wichtig, dass von Generation zu Generation weitergegeben wird, was damals geschehen ist und dass die Verhinderung eines weiteren Krieges oberste Priorität haben muss. Nur wenn die Erinnerung aufrechterhalten wird, können solch grausame Verbrechen in der Zukunft verhindert werden. Und wenn man sich fragt, wer in Zukunft genau dafür zuständig sein wird, kommt man eben wieder zurück auf die jetzt noch junge Generation.

Wir werden mit dafür verantwortlich sein, dass wir hier in Deutschland und in Europa in Frieden leben können. Doch natürlich gedenken wir heute nicht ausschließlich der Gefallenen der Weltkriege sondern auch anderer Opfer, zum Beispiel von Anschlägen die in der jüngeren Vergangenheit verübt worden sind. Erinnern wir uns nur einmal an die terroristischen Anschläge wie wir sie in Brüssel, München, und besonders grausam in Paris erlebt haben. Wir gedenken auch der Opfer der Bürgerkriege in Afrika, zum Beispiel in Nigeria, Somalia, dem Südsudan oder in Libyen und natürlich auch jener, die während der Gewaltherrschaft des IS im Irak und in Syrien ums Leben kamen.

Auch über die Opfer dieser Konflikte und Kriege können und sollten die Jugendlichen trauern, besonders deswegen, weil heute bei Anschlägen auf Zivilisten auch häufig Gleichaltrige betroffen sind. Die Aktualität dieser Ereignisse sollte einen Jugendlichen zum Nachdenken anregen, was in unserer Welt alles nicht so läuft wie es laufen sollte. Der Volkstrauertag bietet meiner Meinung nach eine gute Möglichkeit für uns Junge, in uns zu gehen, aller Opfer zu gedenken und uns bewusst zu machen, was alles Schlimmes passieren kann und was schon alles Schlimmes passiert ist.

Irgendwann werden wir es sein, die die Geschicke unseres Landes lenken werden in den Bereichen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Während wir gedenken, können wir gleichzeitig positiv in die Zukunft blicken weil es uns möglich sein wird etwas zu bewegen und unseren Teil dazu beizutragen, dass wir an zukünftigen Volkstrauertagen keine weiteren Gründe mehr zum Trauern haben werden.

Das alles ist zugegebenermaßen etwas überspitzt formuliert aber die Grundaussage ist, dass wir an diesem Tag zwar trauern sollen und dass das Gedenken auch absolut im Vordergrund steht, aber dass wir diese Trauer am nächsten Tag in Motivation für die Zukunft umlenken können, denn wir können etwas tun hier in Deutschland. Und wenn es am Ende auch sicherlich nur wenige sein werden, die eine wirklich führende Rolle einnehmen werden, so kann doch jeder seinen Teil dazu beitragen, dass der Frieden in Europa erhalten bleibt.

Überlegen sie sich nur einmal, wie die meisten Kriege auf der Welt entstehen. Es sind oft Pöbeleien, kleinere und vermeidbare Konflikte, oftmals von gewaltbereiten, machthungrigen Personen ausgelöst. Diese überschreiten Grenzen und gefährden bewusst den Frieden. Doch dieser lässt sich verteidigen. Man muss sich einfach an gewisse Regeln und Sitten halten. Und da kann sich jeder Bürger an die eigene Nase fassen und sich eigentlich ganz leichte Ziele setzen. Diese könnten zum Beispiel sein, dass man freundlicher zu Fremden ist und versucht, Konflikte mit Andersdenkenden sachlich und respektvoll zu lösen. Wir als Jugendliche können uns auch ganz auf uns bezogene Aufgaben stellen: Was mir persönlich auffällt ist, dass Kinder und Jugendliche schon in jungen Jahren mehr und mehr den Respekt vor Mitschülern und vor allem auch vor Autoritätspersonen verlieren. Dieser Respekt ist aber sehr wichtig in unserem gesellschaftlichen Zusammenleben.

Es klingt fast schon banal, aber simple Freundlichkeit und das Vermeiden von Schimpfwörtern können helfen den Frieden zu erhalten und das Zusammenleben angenehmer zu machen. Ich habe das nun auf Jugendliche bezogen, weil es mir dort am stärksten aufgefallen ist, aber natürlich hilft es der gesamten Gesellschaft wenn sich alle an diese beiden einfachen Grundsätze halten: Freundlichkeit und Respekt.

So wie sie hier vor mir sitzen und mir zuhören, weil sie respektieren, dass ich hier eine Rede halte. Vielleicht kommen, nachdem ich fertig bin, einige Leute zu mir um mir zu danken, vielleicht aber auch um mir ihre eigene Meinung zu diesem Thema mitzuteilen. Vielleicht sehen manche das Ganze anders als ich und möchten mir ihre Ansichten darlegen. Aber ich bin mir sicher, dass dieses Lob oder diese Kritik mit Freundlichkeit und Respekt vorgetragen werden. Und wenn sie nach diesem Tag den Friedhof verlassen dann können sie morgen versuchen, die Erwachsenen auf der Arbeit und auch die Jugendlichen in der Schule, diese Freundlichkeit und diesen Respekt voreinander zu vermitteln. Und diejenigen, die sich sogar darin überfordert sehen, sollten wenigstens versuchen, Gewalt außen vor zu lassen. Denn diese kann, sowohl in körperlicher als auch in verbaler Form, der Zündfunken für größere Konflikte sein. Das Vermeiden von Gewalt ist meiner Meinung nach eine Mindestanforderung in der heutigen Gesellschaft und sollte von wirklich jedem beachtet werden. Auch kleine Gesten helfen, den Frieden zu wahren.

Manche werden sich vielleicht damit zufrieden geben und sagen: Wenn es so einfach sein kann, kann ich es ja mal probieren. Und dann wird es eine zweite Gruppe geben, die noch mehr bewegen will, die sich intensiver engagieren will vor allem in Politik und Gesellschaft. Diese Gruppe hat es schon immer gegeben und sie wird auch immer existieren. Sie ist in der Lage, noch mehr für den Frieden im Land zu tun. Ein Teil der heutigen jungen Generation wird dieser Gruppe irgendwann einmal angehören und muss dann auch versuchen die Geschicke unseres Landes zu leiten.

Das Grundgerüst für unser zukünftiges Handeln muss hierbei allerdings immer das gleiche sein. Das Grundgerüst ist die Demokratie. Die Geschichte lehrt uns, dass es zwischen zwei demokratisch geführten Ländern noch nie Krieg gegeben hat. Von dieser Aussage ausgehend können sich Deutschland und natürlich auch andere Demokratien Aufgaben stellen. Zum Beispiel muss ein Ziel sein, Länder aufzufordern und anzutreiben demokratisch zu werden.

Damit auch die heutige Jugend diese Aufgabe annimmt ist es wichtig, dass sie an das Prinzip der Demokratie glaubt, ihm vertraut und es schützt. Nur so ist gewährleistet, dass auch anderen noch nicht demokratischen Ländern geholfen werden kann. Die Jugendlichen dürfen hierbei nicht vergessen, dass Deutschland politisch und wirtschaftlich gesehen sehr viel Macht und Einfluss besitzt, es also nicht abwegig oder unmöglich ist so etwas zu schaffen. Mit dem Vertrauen in die Demokratie und in sich selbst ist es also möglich, Krieg zu verhindern. Eine weitere Aufgabe für die Jugendlichen wird also sein, die Demokratie im Inland zu leben und im Ausland positiv zu verbreiten.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass selbstverständlich auch die Jugendlichen, wie alle anderen, vom Volkstrauertag betroffen sind. Auf der einen Seite sollten sie am heutigen Tag in die Rolle eines Zuhörers schlüpfen. Es ist wichtig, dass den Jugendlichen vermittelt wird, wie schrecklich die Ereignisse während der beiden Weltkriege waren, auch wenn es, aufgrund der langen Zeit die vergangen ist, natürlich schwerfällt, genau nachzuvollziehen was damals passiert ist. Die Rolle des Zuhörens ist für den Jugendlichen also eine passive Rolle. Auf der anderen Seite sollte die junge Generation auch aktiv werden, wenn es darum geht sich eine eigene Meinung zu bilden. Es ist wichtig, dass sie sich bewusst machen, dass in unserer Welt noch vieles schief läuft und dass sie in der Lage sind in der Zukunft dagegen vorzugehen. Und ich hatte es bereits erwähnt aber ich finde es passt sehr gut und gilt gleichermaßen für die Erwachsenen und die Jugendlichen: Wir können die heutige Trauer, das heutige Gedenken mitnehmen, um schon morgen wieder zu versuchen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

vck, 2016-11-13